Schüler/innen von Miliczfahrt begeistert

 

 

 

15 Schüler/innen der 6./7.Klassen  der Gustav-Woehrnitz-Mittelschule Lohr besuchten mit ihrem Lehrer Rolf Wiesmann, dem pensionierten Lehrer Wolfgang Geist, der den Schüleraustausch im Jahre 2000 aus der Taufe hob, und der Betreuerin Christina Zilg  die Partnerschule SP2 in Milicz.

 

 

 

Am Montagfrüh trat man erwartungsvoll die weite Reise nach Milicz, das 800 km von Lohr nordöstlich von Wroclaw (Breslau) liegt, an. Vor allem war man auf die neue Umgebung und den Austauschfamilien neugierig und ob man mit Heimweh zu kämpfen hätte. Aber bei strahlendem Wetter war man stets guter Laune und erreichte Milicz nach 10-stündiger Fahrt ohne Zwischenfälle. Dort wurde man an der Schule schon sehnlichst erwartet. Nach einer ersten, kurzen Begrüßung durch die Schulleiterin Jolantha Wybierala und den beiden deutschsprachigen Lehrerinnen Agnieszka Poświatowska und Gosia Pilipa wurden die Kids von den polnischen Familien mit nach Hause genommen, wobei einige skeptische Blicke und Verunsicherungen auf beiden Seiten nicht zu übersehen waren. Lehrer/in und Busfahrer, die im Internat der Miliczer Forstschule untergebracht waren, beendeten mit einem ersten Gespräch über den Verlauf des Austausches mit ihren polnischen Kolleginnen den ersten anstrengenden Tag.

 

 

 

Am zweiten Tag unternahm die Austauschgruppe einen Ganztagesausflug nach Breslau, der 650.000 Einwohner zählenden  Hauptstadt Niederschlesiens. Nach interessanten Abstechern zum Wassermuseum „Hydropolis“ und dem Filmmuseum „MovieGate“ durften die SchülerInnen in kleinen Gruppen die malerische Innenstadt Breslaus erkunden. Danach wurde gemeinsam in einem kleinen Restaurant gegessen. Anschließend wurden historische Stätten Breslaus fachkundig durch eine Stadtführerin nähergebracht. Abends ab 21.00 Uhr wurden die Beziehungen in den Familien vertieft, wobei erste Heimwehsehnsüchte nicht zu übersehen und zu -hören waren.

 

 

 

Der dritte Tag stand ganz im Zeichen des Landschaftsschutzgebietes „stawy milickie“, den Teichen mit Wäldern rund um Milicz. Mit Fahrrädern und ausgebildeten Förstern erkundete man schönste Ecken der Umgebung. Zwischendurch konnten sich die SchülerInnen mit Würstchen vom Grill und mit einer Kartoffelsuppe kräftigen. Leider wurde das ganze Unternehmen gegen Nachmittag jäh durch ein bedrohliches Gewitter beendet. Recht hektisch musste man das Naturschutzgebiet verlassen und, nicht ohne triefend nass zu werden, per Rad zurück zur Schule fahren. Dort wurden die SchülerInnen von vielen besorgten Eltern in Empfang genommen. So ein Erlebnis bleibt natürlich bei den Schülern haften.

 

 

 

Am vierten Tag erfolgte die offizielle Begrüßung in der Schule, wobei mit herzlichen Grüßen von Schulleiterin Susanne Rinno ein Gastgeschenk an die Miliczer Schule SP2 überreicht wurde.

 

Schulleiterin Fr. Wybierala und Hr. Wiesmann hoben in ihren Ansprachen die Bedeutung des Schüleraustausches für die gegenseitige Völkerverständigung zwischen Polen und Deutschland hervor und warben bei den anwesenden TeilnehmerInnen um persönliches Engagement und Weitergabe der Idee an Dritte. Außerdem wies Fr. Wybierala noch daraufhin, dass neben dem 100. Jubiläum des unabhängigen Staates Polen auch der Schüleraustausch das 20. Jubiläumsjahr erlebt.

 

Anschließend wurden die Kinder in gemeinsamen Einheiten in Musik, Naturkunde, Englisch und Polnisch unterrichtet. Dies wurde überraschend aktiv von den Jugendlichen angenommen und führte sogar zu einer kleinen Aufführung eigens erfundener Sagen bzw. Märchen.

 

Nach dem Mittagessen in der Schulmensa begab man sich zum Rathaus von Milicz, wo der amtierende Bürgermeister Piotr Lech, früherer Schulleiter der SP2 und aktiver Unterstützer des Schüleraustausches, die SchülerInnen in Empfang nahm, bewirtete und sich für ihre Teilnahme am Austausch bedankte. Hierbei kündigte er an, dass er den anwesenden Wolfgang Geist für sein leidenschaftliches Engagement bezüglich des Schüleraustausches zum Ehrenbürger ernennen will.

 

Zum Abschluss durften die jungen Jugendlichen unter Mitwirkung und Gestaltung von anregenden Workshops durch Miliczer Pfadfinder per Stadtrallye die Innenstadt von Milicz kennenlernen. Gegen 19.30 Uhr durften dann die erschöpften SchülerInnen zu den Gastfamilien heimkehren.

 

 

 

Am Freitagmorgen schloss man sich einigen Klassen der SP2 an und beging einen Wandertag zu einem Ausflugsziel an einen Baggersee am Rande von Milicz. Dort konnten die Pennäler an verschiedensten kleinen Spielen teilnehmen, was auch einige wahrnahmen. Man durfte sogar einen Siegerpokal in Empfang nehmen.

 

Später am Mittag fuhr man mit Kleinbussen zu einer Waldlichtung mit freien Spielflächen und einem Wigwam. Dort konnten sich die Kinder nach Herzenslust beim Bogenschießen, Badminton, Fußball oder Basketball austoben. Unterstützt wurde die für die SchülerInnen großartige Aktion durch vier, sich im Auslandsvolontariat befindliche, junge TürkInnen (!), die mehrere Integrationsspiele und Workshops anboten.

 

Anschließend kamen die Austauscheltern hinzu und man aß zusammen bzw. tauschte sich gegenseitig, auch kritisch, über die gemachten Erfahrungen aus. Man würdigte das Entgegenkommen der Eltern, ohne die so ein Austausch nicht durchführbar wäre.

 

Ein gelungener Tag, der den Kindern sichtlich Spaß machte.

 

 

 

Während die Lohrer Schüler/innen den gesamten Samstag in den polnischen Familien verbrachten und dort viele Aktivitäten unternahmen, trafen sich abends die deutsch/polnischen Lehrer/innen in einem etwas abgelegenen, aber sehr schönen Restaurant zu einem Abschlussessen, wobei der gesamte Austausch noch einmal evaluiert wurde. Rolf Wiesmann bedankte sich im Namen aller Schüler/innen, seiner Begleitpersonen und der gesamten Lohrer Schule für die liebevolle Betreuung während der Aufenthaltstage und die gute und aufwendige Organisation, wofür auf polnischer Seite auch viel Freizeit geopfert wurde.

 

Der Abschied am Sonntagmorgen fiel vielen schwer, da man sich zwischenzeitlich doch auch näher kennengelernt hatte und bei manchen flossen einige Tränen.

 

Ein erlebnisreicher, aber auch anstrengender Austausch mit vielen Eindrücken und Erfahrungen für die jungen SchülerInnen ging am Sonntagabend nach elfstündiger Heimfahrt zu Ende.

 

Hoffen wir, dass es weiterhin noch Kinder und deren Eltern gibt, die diesen sinnvollen Schüleraustausch durch ihr Mitwirken zukünftig unterstützen werden. (Rolf Wiesmann, Lehrer)